Warum die Allianz SE kein Kauf ist.

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Zwei sinnvolle Alternativen

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von Klaus-Uwe Becker, 22.04.2026

Die Allianz SE

Auf X.com berichten Anleger immer wieder überzeugt von einem Investment in Allianz Aktien. Unser Performance Profil zeigt eindrucksvoll, warum wir diese Aktie nicht anfassen würden.

Wer in eine Versicherung investieren möchte, wäre unserer Ansicht nach, besser beraten, sich mit den beiden Alternativen zu befassen, die wir im Verlaufe dieses Artikels vorstellen werden.

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Kurswachstum der Allianz SE

Die Kurswachstumsrate der Allianz ist, über die letzten 31 Jahre betrachtet, eine ziemliche Katastrophe gewesen. Ein durchschnittliches jährliches Wachstum von nur 3,25% ist für uns ein absolut indiskutabler Wert. Von Performance kann man hier eigentlich nicht mehr sprechen. Der DAX-Kursindex, der nur die reine Kursentwicklung – ohne reinvestierte Dividenden – widerspiegelt, liegt über einen Zeitraum von 30 Jahren im Bereich von 5-6%.
Der DAX-Performanceindex, der alle angefallenen Dividenden berücksichtigt, weist ein Wachstum von durchschnittlich 8,3 % p.a. über 30 Jahre aus. Mit nur 6,53% unterbietet die Allianz auch diesen Wert signifikant. Im Jahr 1996, in dem unsere Kursanalyse ansetzt, war das Papier mit Sicherheit überbewertet. Das gilt jedoch gleichermaßen für die beiden Versicherungsunternehmen, die wir zum Vergleich herangezogen haben.

Obwohl die Allianz bereits im Jahre 1890 gegründet wurde, worauf auf der eigenen Homepage auch stolz verwiesen wird, gibt es keinerlei Infos über ausgeführte Aktiensplits oder Kursentwicklungen, die wesentlich weiter als 25 Jahre zurückreichen. Das lässt tief blicken. Offensichtlich existiert bei der Versicherung keinerlei Bewusstsein für einen entsprechenden Informationsbedarf von Seiten der Aktionäre.

Auf der Investor Relations Seite wird die Kursperformance durch eine geschickte Auswahl der Bemessungszeitpunkte aufgehübscht.

Als langfristig orientierter Investor muss man unterstellen, dass die Kursentwicklung Spiegelbild der unternehmerischen Leistung der Verantwortlichen ist. Nüchtern betrachtet, lockt die hohe Dividende, gepaart mit der Hoffnung, dass es kurstechnisch vielleicht in den nächsten 3 Dekaden besser läuft. Das wären vorstellbare Motive zum Kauf der Aktie.

Vollkommen anders sieht es bei unseren beiden Konkurrenzunternehmen aus, der US-amerikanischen Aflac und der Schweizer Chubb Versicherung. Beide ziehen wir als eine Art Benchmark für den Vergleich heran.

 

Die Aflac Performance

Aflac Logo

Bei der Aflac Incorporated (AFL) handelt es sich quasi um eine US-amerikanische Versicherungsikone. Im S&P 500 gelistet, hat sie einen Börsenwert von knapp 58 Milliarden US-Dollar. Die Dividende hat das Unternehmen über einen Zeitraum von 43 Jahren in Folge erhöht. Damit gehört es zu den sogenannten „Dividend Aristocrats“, also zu den US-Unternehmen mit mindestens 25 Jahren kontinuierlicher Dividendenerhöhungen. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei 2,15%.

Das Wachstum – über den exakt gleichen Zeitraum wie bei der Allianz bemessen – lag bei 10,55% und 12,51%. Aus 1.000 USD wurden 22.403,77 USD bzw. 38.630,01 USD bei reinvestierten Dividenden. Das ist das Siebenfache dessen, was die Allianz im gleichen Zeitraum für die Anleger erwirtschaftet hat.

Aus den anfänglichen 24,61 Aktien wurde nach 3 Stock Splits im Verhältnis 2:1 insgesamt 196,85 Aktien. Die daraus resultierende Jahres-Dividende vor Steuern beläuft sich auf insgesamt 478,24 USD.

Das Unternehmen bietet Kranken- und Lebensversicherungen an und hat mehr als 40 Millionen Kunden in den Vereinigten Staaten und Japan. 75 % des Umsatzes entfallen dabei auf Japan. In den USA wurde die Aflac durch eine amüsante Fernsehwerbung bekannt, in der eine Ente auftrat, die auch heute noch das Logo der Versicherung ziert. Harvard Business Manager vermerkt dazu: In Japan ist die Aflac-Ente ein Rockstar. So lässt sich wohl am besten beschreiben, wie groß ihre Bedeutung dort ist. YouTube Link: Duck Dunk | Aflac-Werbespot 2025

Die Aflac lebt primär von der Supplemental Health Insurance, also von sogenannten Zusatzversicherungen. Sie bietet stark standardisierte Produkte an und kann sich auf niedrige Schadenquoten verlassen. Ein extrem effizienter Vertrieb ist ein weiterer wesentlicher Eckpfeiler, auf dem das Geschäft ruht. All dies sind Vorteile, die die Allianz so nicht mitbringt und die nur schwer zu replizieren sind.

Obwohl die Aflac seit 2022 umsatztechnisch auf der Stelle tritt, hat sich der Aktienkurs zwischenzeitlich mehr als verdoppelt. Wie geht das?  Das Zauberwort heißt Aktienrückkäufe. Zwischen 2022 und 2025 hat das Unternehmen die Anzahl der außenstehenden Aktien von 634 Mio. auf 524 Mio. reduziert.

 

Chubb Limited

Chubb Logo

Viele Versicherungswerte sind in der letzten Zeit nicht gerade mit großem Umsatzwachstum gesegnet. Eine interessante Ausnahme ist die Schweizer Chubb Limited. Seit 2024 ist Warren Buffetts Berkshire Hathaway an dem Unternehmen beteiligt. Ende 2025 lag der Berkshire Anteil bei 34,25 Millionen Aktien. Berkshire war mit einem Anteil von 8,27% der außenstehenden Aktien zweitgrößter institutioneller Aktionär.

Über die gleiche Zeitspanne von 31 Jahren konnte Chubb auf ein durchschnittliches jährliches Kurswachstum von 9,49% (Dividenden nicht reinvestiert) bzw. 11,52% (bei reinvestierten Dividenden) zurückblicken. Damit liegt man knapp unter den Aflac Wachstumsraten 10,55% und 12,51%, aber weit entfernt vom anämischen Allianz Wachstum.

Unter institutionellen Investoren gilt Chubb Limited als „Premium-Insurer“.

Grund dafür ist die außergewöhnlich starke Underwriting-Disziplin. Unter Underwriting versteht man den Prozess, bei dem ein Versicherer die Risiken eines potenziellen Versicherungsnehmers bewertet und entscheidet, ob er eine Police anbieten kann und zu welchen Bedingungen er das tut. Es ist quasi die Seele des Versicherungsgeschäfts, in der die Grundlagen für Gewinn oder Verlust gelegt werden.

Das Combined Ratio ist ein wichtiger Indikator zur Bewertung der Profitabilität einer Versicherung. Es setzt die Ausgaben eines Versicherungsunternehmens ins Verhältnis zu den Einnahmen. Dabei wird die Summe der Schadensquote durch die Kostenquote dividiert. Ein Wert unter 100% steht für ein profitables Unternehmen, ein darüber liegender Wert deutet auf Verluste hin.

Bei der Chubb liegt dieses Combined Ratio meist zwischen 85% und 90%. Das ist ein hervorragender Wert. Er bedeutet, Chubb verdient bereits mit dem eigentlichen Versicherungsgeschäft Geld und muss sich nicht, wie viele andere Versicherungen, auf die Erträge aus den angelegten Versicherungsbeiträgen stützen, um Gewinne zu erzielen.

Aus diesem Grund sieht der Markt Chubb als qualitativ höherwertiges Versicherungsunternehmen an. Diese Zahlen dürften auch erklären, warum Warren Buffett Gefallen an diesem Schweizer Unternehmen gefunden hat.

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Auch wenn man unsere drei Versicherungen hinsichtlich der Umsatzrentabilität vergleicht, ergibt sich kein besseres Bild für die Allianz. Die Umsatzrentabilität zeigt, wie viel Gewinn ein Unternehmen pro Euro Umsatz 

erzielt und dient als Maß für Effizienz und Rentabilität eines Unternehmens. Mit nur gut 7% liegt die Allianz weit abgeschlagen hinter der Chubb mit 17,25%. Die Aflac weist sagenhafte 21,04% auf.

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Quintessenz aus den Kennzahlen

Die Tabelle „Kurs- und Vermögenswachstum im Vergleich“ verdeutlicht, wie die oben aufgezeigten Unterschiede voll auf die Performance Daten unserer drei Versicherer durchschlagen. Der Vergleichszeitraum ist identisch, die Erträge jedoch keineswegs.

Aus einem Einmalinvestment von 1.000 Euro nach 31 Jahren lediglich 2.695,20 EUR gemacht zu haben, ist extrem enttäuschend. Auch die viel gelobte hohe Dividende der Allianz relativiert sich vor dem Vergleich mit den beiden Konkurrenten ganz erheblich. Insbesondere bei der Aflac schlagen bei der Performance die Stock Splits durch (vergl. hierzu auch die entsprechenden Performance Profiles).

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Ihr Wachstum – gemessen über den exakt gleichen Zeitraum – lag bei 10,55% und 12,51%. Aus 1.000 USD wurden 22.403,77 USD bzw. 38.630,01 USD bei reinvestierten Dividenden. Aus den anfänglichen 24,61 Aktien wurde nach insgesamt 3 Stock Splits im Verhältnis 2:1 insgesamt 196,85 Aktien. Die daraus resultierende Jahres-Dividende vor Steuern beläuft sich auf insgesamt 478,24 USD.

Die Aflac ist um den Faktor 3 profitabler als die Allianz (siehe Tabelle Umsatzrentabilität im Vergleich) und das nicht nur in 2025. Auch die Chubb ist um mehr als das Doppelte profitabler als die Allianz. Die Aflac weist zwar seit Jahren einen Umsatzrückgang auf, hat aber das größte Aktienrückkaufprogramm aller drei Versicherungen etabliert.

Die Konsequenzen aus diesen Zahlen werden in der Unternehmensbewertung deutlich (siehe Tabelle: Umsatzrentabilität im Vergleich). Während die Allianz in etwa mit ihrem Umsatz bewertet wird, d.h. die Marktkapitalisierung entspricht dem Umsatz, wird die Chubb mit gut dem doppelten, die Aflac mit mehr als dem dreifachen Umsatz bewertet. Dazu hat die Allianz noch mit dem Handicap zu kämpfen, ein deutsches bzw. europäisches Unternehmen zu sein, das sich in einem hyperregulierten Markt behaupten muss.

Vergleicht man die Aktienrückkaufprogramme der Versicherungen, ergibt sich das folgende Bild. Im Zeitraum von 2023 bis zu den letzten zwölf Monaten kauften Chubb und Allianz mit 3,83% bzw. 3,38% in etwa gleich viele Aktien zurück. Die Aflac hingegen, zog sensationelle 12,03% ihrer Aktien aus dem Verkehr. Diese Aktienrückkäufe sind ein wesentliches Element der extrem hohen Umsatzrentabilität dieses Unternehmens.

Die spannendere Frage ist jedoch, ob es Hoffnung für die Allianz gibt, dass zukünftig wirklich alles anders ist und sie zu mehr Gewinn und einer höheren Bewertung kommen kann.

Gründe der Allianz Underperformance

Das Problem der Allianz liegt in einer Kombination aus Geschäftsmodell, Kapitalstruktur, Bewertungsniveau und der Tatsache, dass Versicherer generell selten hohe Multiples bekommen. Dabei spielt das europäische Marktumfeld eine entscheidende Rolle.

Europäische Finanzwerte werden seit Jahrzehnten mit Bewertungsabschlag gehandelt. Das zieht ein geringeres nominales Kurswachstum nach sich. Dazu gesellen sich Faktoren wie schwächere Kapitalmärkte, regulatorische Last, geringere Aktienkultur und weniger aggressive Kapitalallokation – die „German Angst“ und Risikoaversion lässt hier mit den Konsequenzen für Aktionäre grüßen.

US-Versicherer bekommen oft höhere P/B-Multiples (Kurs-Buchwert-Verhältnis), höhere KGVs und mehr Vertrauen in Shareholder-Value.

Perspektive für die nächsten Jahre

Natürlich wissen wir, dass wir uns bisher ausschließlich auf die Betrachtung der vergangenen Performance konzentriert haben, also eine sogenannte ex-post Betrachtung angestellt haben, von der völlig unklar ist, wie die Zukunft unserer drei Versicherungen verlaufen wird.

Fakt ist allerdings auch, dass erfolgreiche Unternehmen sich oft genug neu erfinden können und nach längeren Verschnaufpausen wieder auf den Wachstumspfad zurückfinden.

Die Allianz Perspektive

Kurstechnisch hat die Allianz diesen Wachstumspfad bisher nicht wirklich eingeschlagen. Wir sind der Überzeugung, dass die Standortnachteile und der Regulierungsfetischismus, den Europa und Deutschland mitbringen, auch weiterhin schwer auf der Allianz lasten wird.

Der unternehmerische Wille zur Größe ist deutschen Unternehmen fast vollkommen abhandengekommen. Die strategische Unternehmensausrichtung beschränkt sich leider zu oft auf die Verwaltung des Status quo. Sich vorzugsweise auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, betrachten viele deutsche Manager als schlüssiges Wachstumskonzept. Um in ein derartiges Umfeld zu investieren, müssten wir besondere Umstände, besondere Qualitäten oder herausragende Geschäftsmodelle erkennen. Das ist bei der Allianz jedoch nicht der Fall.

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Bulle: Artwork D. Mark

Die Chubb Perspektive

Als Chubb Investor würden wir uns die wenigsten Sorgen machen. Bei aktuell gegebenem Umsatzwachstum und ausgeprägter Expertise, hat Chubb die meisten strukturellen Wachstumstreiber. Dazu gehören steigende Versicherungsprämien weltweit, höhere Nachfrage nach Risikomanagement, Wachstum in Asien sowie die zunehmende Bedeutung von Cyber- und Specialty-Versicherungen. All dies deutet auf langfristiges Gewinn- und Umsatzwachstum hin, angetrieben durch ein qualifiziertes und effizientes Management.

Die Aflac Perspektive

Die Aflac dürfte zukünftig für ein niedriges einstelliges Umsatzwachstum stehen. Dieses, auf den ersten Blick wenig überzeugende Szenario, wird jedoch durch außergewöhnlich hohe Margen aufgepeppt. Erwirtschaftet werden diese in einem lukrativen Nischensegment (Supplemental Health Insurance), welches bei standardisierten Produkten und extrem effizientem Vertrieb noch mit niedrigen Schadensquoten garniert ist.

Stabile Gewinne, bei weiterhin hohen Ausschüttungsquoten, sind attraktiv für Dividendeninvestoren und konservative Value-Anleger. Die starke finanzielle Unternehmensposition ermöglicht es weiterhin, eine beträchtliche Anzahl von Aktien vom Markt zu nehmen. Das dürfte für weitere moderate, aber regelmäßige Kursgewinne sprechen.

Einen zusätzlichen, nicht unerheblichen Vorteil sehen wir in der Erfolgs-DNA, für die die Aflac steht. Ein Investment von 1.000 USD im Jahre 1980 wäre auf den sagenhaften Betrag von 947.693,43 USD (Div. nicht reinvestiert) bzw. 1.896.171,32 USD (Div. reinvestiert) angewachsen. Vergleiche hierzu auch das Aflac Performance Profil.

Zahlreiche frühere Marktführer, wie z.B. Texas Instruments, haben bewiesen, dass sie auch nach Jahren stürmischen Wachstums wieder in die Erfolgsspur finden können. Auf eine derartige Erfolgsgeschichte kann die Allianz leider nicht zurückblicken, zumindest nicht in den letzten 31 Jahren. 

Disclaimer:

Jeder Artikel gibt die persönliche Meinung des jeweiligen Verfassers wieder. Diese ist das Ergebnis eigener Recherchen, die nach bestem Wissen und Gewissen und mit großer Sorgfalt durchgeführt worden sind. Es handelt sich dabei nicht um eine Wertpapierberatung bzw. Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren. Vorsorglich wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Erwerb von Wertpapieren mit gewissen Risiken verbunden ist, mit Risiken, die im schlimmsten Fall zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können.

Es wird ferner darauf verwiesen, dass Wertpapierkäufe auf sorgfältige eigene Analysen und Recherchen gegründet sein sollten. Weder Retail Investor, noch der/die Verfasser eines Artikels haften für etwaig entstandene Verluste. Zur Erstellung dieses Artikels wurde KI verwendet. Weil nicht jede einzelne Aussage kontrolliert werden kann, kann der Artikel Unrichtigkeiten aufweisen. Für die Erstellung dieses Artikels erhalten weder Retail Investor noch der/die Verfasser irgendeine Art von Kompensation.

Retail Investor – Klaus-Uwe Becker

Hinweis:

Retail Investor ist im Besitz von Aflac Aktien.

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Klaus-Uwe Becker