Space Technology, die neue Megastory?

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Die neuen, jungen Player

Teil 1

Rocket Lab, Firefly Aerospace, AST SpaceMobile, BlackSky Technology,  Intuitive Machines, Planet Labs, Redwire, Voyager Technologies

Bild Kai

von Klaus-Uwe Becker, 24.02.2026

Innovation und Weltraum

Durch die Investition von Mitteln in die Entwicklung bahnbrechender Raumfahrtinitiativen stehen wir kurz davor, ein Geschäftssegment der nächsten Generation zu schaffen, ein Geschäftssegment, dass grundlegende, weltweite Veränderungen herbeiführen wird.

Haupttreiber dieser Veränderungen werden die folgenden Geschäftsbereiche sein: kommerzielle Satelliten (über 70% des Gesamtmarktes) – Launch-Systeme – Erdbeobachtung und militärische Weltraumnutzung. Aber auch neue Anwendungen wie Weltraumtourismus, Logistik, Transport, Katastrophenmanagement, Beseitigung von Weltraumschrott und kommerzielle Forschung im All, werden nach und nach in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit gerückt werden.

Neben den großen staatlichen Programmen, gehört ein starker privater Sektor zu den treibenden Kräften. Dazu zählen z.B. SpaceX (Elon Musk), Blue Origin (Amazon Gründer Jeff Bezos) sowie OneWeb (Eutelsat Group).

In einer Textreihe werden wir insgesamt acht Raumfahrtunternehmen (s.o.) analysieren und versuchen herauszufinden, wie interessant sie für einen Investor sind. Es handelt sich durchweg um vergleichsweise junge, börsengängige Unternehmen, die jedoch unterschiedliche geschäftliche Schwerpunkte besetzen. Den Anfang werden Rocket Lab und Firefly Aerospace machen, die beiden einzigen Aktiengesellschaften aus unserer Auswahl, die sich mit dem Bau von Raumschiffen befassen.

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Einordnung

Dass KI aktuell das alles überragende, die Börsen dominierende Thema ist, muss man nicht besonders hervorheben. Dass dies nicht immer so bleiben wird, ist eine Binsenweisheit. Welches allerdings die nächste, richtungsweisende große Story für Investoren sein wird, dürfte weitaus weniger klar sein. Die Antwort auf diese Frage ist für Anleger von ganz erheblicher Bedeutung, denn auch an den Börsen gilt, dass der frühe Vogel den Wurm fängt und junge, kleine Aktiengesellschaften das größte Wachstumsspektrum aufweisen werden. Durch das NASA Mondlandeprojekt Artemis und Trumps Golden Dome ist Space Technology in die Wahrnehmung der breiteren Öffentlichkeit gerückt worden. Ob sie sich als großes Börsenthema etablieren können wird, ist die interessante Frage, der wir nachgehen werden.

Bild 1 Erde oben
Quelle: NASA, Additional Artwork: D. Mark

Warum Space Technology?

SpaceX und Elon Musks Pläne einer Marsbesiedlung und der Errichtung von KI-Rechenzentren im All sind kein Geheimnis. Dennoch haben sie bisher auch nicht ansatzweise die gleiche Euphorie entfacht wie KI. Und dass, obwohl das Musk Projekt mit hoher Wahrscheinlichkeit wenigstens ähnlich ambitioniert und disruptiv ist, wie Künstliche Intelligenz. Für die Masse der Anleger ist Space Technology momentan noch zu sehr Science Fiction, noch zu weit weg von realen Anwendungen und Kommerz.

Eine Space Economy – die Wertschöpfungskette, basierend auf wirtschaftlichen Aktivitäten im Weltraum – ist für viele Menschen noch undenkbar. Dass momentan allerdings die ersten Schritte zur kommerziellen Nutzung des Alls bzw. des Mondes gemacht werden, ist Fakt. Diverse Unternehmen führen bereits Experimente im Weltall durch und legen somit Grundsteine, auf denen später lukrative Geschäftsmodelle gegründet werden. Wohin die Richtung dabei geht, zeigen wir im Verlauf unserer Textreihe.

Wenn überhaupt, fokussieren sich Öffentlichkeit, aber auch Anleger, vorwiegend auf den Start und Betrieb von Raumfahrzeugen. Auch das Entsenden von Satelliten ins All wird durchaus noch wahrgenommen. SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, hat durch die zahlreichen Starts ins Weltraum hier Pionierarbeit geleistet. Mit dem Börsengang von SpaceX, der in diesem Jahr stattfinden wird, dürfte das Anlegerinteresse noch einmal gesteigert werden.

Was ist diesmal anders als 1969?

Was macht uns so sicher, dass es diesmal anders ist als 1969? Die USA führte damals die erste Mondlandung erfolgreich durch, der erwartete Durchbruch der Weltraumfahrt bliebt jedoch aus.

Mit China ist den USA mittlerweile ein zusätzlicher, absolut ernst zu nehmender Rivale entstanden. Auch Indien versucht in diesem Weltraumkonzert mitzuspielen. Europa holt mal wieder grandios auf und schließlich gibt es ja auch noch die Russen. Auch sie sind, obwohl sie aktuell sicherlich wichtigere Probleme haben dürften, als Mitbewerber keineswegs zu unterschätzen.

In den USA ist in den letzten Jahren, fast unbemerkt von der Masse der Anleger, eine neue Infrastruktur kleiner, flexibler Space Technology Unternehmen herangewachsen. Innovative Weltraumtechnologie entwickeln diese erheblich günstiger, als die schwerfällige, bürokratisch strukturierte NASA. Mit ihren reduzierten Kosten sind sie der Treibstoff, der das Thema Space Technology und Economy einen riesigen Schritt nach vorn bringt. Indem sich die US-Regierung über die NASA und andere ehrgeizigen Weltraumprogramme dieser kleinen, agilen Unternehmen bedient, fördert sie eine komplett neue Space Industry Infrastruktur.

Bild 2 Artemis Mission Grafik
Quelle: Artemis Mission - NASA, Additional Artwork: D. Mark

Das NASA Programm Artemis (Tab. 1) sowie das Golden Dome Projekt sind die hauptsächlich treibenden Kräfte, die die Aufmerksamkeit langfristig denkender Anleger erwecken sollte.

Bei Artemis handelt es sich um eine von der NASA geleitete Mission zur Erforschung des Mondes. Ziel ist eine erneute bemannte Landung auf dem Mond (2027). Anders als 1969 soll diesmal eine nachhaltige menschliche Präsenz dort aufgebaut werden. Zudem dient Artemis als technologische und organisatorische Grundlage für eine Mondbasis, die 2030 errichtet werden soll (siehe Schaubild). Bis zum Jahr 2025 beliefen sich die Entwicklungs-, Start- und Missionskosten auf rund 93 Mrd. US-Dollar.

Bild 3 Artemis Bild Zeitplan
Quelle: Microsoft Copilot, additional Artwork: D. Mark

Man benötigt keine besonders große Fantasie, um zu verstehen, welche Bedeutung ein derartig kostspieliges Projekt für die darin involvierte Industrie darstellt. Zu den großen, vergleichsweise bekannten Profiteuren wie Boeing, Northrop Grumman, Aerojet Rocketdyne (zu L3 Harris gehörend) und Airbus, haben sich, wie bereits angedeutet, eine beachtliche Anzahl kleiner wendiger Space Unternehmen gesellt. Auch sie möchten von diesem großen Kuchen etwas abhaben. Bisher sind sie aufgrund ihrer Flexibilität und Preiswürdigkeit bereits spektakulär mit Aufträgen versorgt worden. Intuitive Machines war an vier NASA-Missionen beteiligt. Redwire operiert als Subunternehmer von Lockheed Martin und liefert das Orion Kamera System für die Artemis-Missionen. Zudem arbeitet es zusammen mit Firefly Aerospace an robotischen Mondlande Initiativen. Quasi als eine Art kommerzielles Mondfrachtunternehmen sollen so u.a. wissenschaftliche Geräte zum Mond transportiert werden. Redwire trägt dazu Raumfahrtkomponenten, Kameras und optische Navigationssysteme bei. Diese Beispiele zeigen, wie eng vernetzt die Space Technology Industrie arbeitet.

Laut einer Precedence Research Studie (Tab. 1) wird der gesamte Markt des Space Technology Segments von $512,08 Mrd. im Jahr 2025 auf die Summe von $1.012,13 Bio. in 2034 anwachsen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 7,86%.

Bild 4 Pecedence Marktgroesse Space Tech
Quelle: Precedence Research additional artwork: D. Mark

Wie bereits erwähnt, hängen Weltraum-Infrastrukturunternehmen stark an den unterschiedlichen Regierungsprojekten der USA bzw. deren Verbündeter. Erfolg oder Misserfolg von Weltraummissionen wirkt sich dadurch direkt auf die Vergabe von Anschlussaufträgen aus. Die Auftragsvergabe verläuft dabei meist nicht nach regelmäßigen Mustern. Haushaltssperren, politische Entscheidungen aber auch deren Ausbleiben überlagern dies zusätzlich.

Unsicherheit ist jedoch der große Feind vieler Anleger. Für langfristig denkende Investoren dürfte er sich jedoch als guter Freund erweisen, weil Rückschläge, die sich automatisch irgendwann einmal einstellen werden, als günstige Zukaufgelegenheit genutzt werden können.

Golden Dome Projekt

Das Golden Dome Projekt ist ein mehrschichtiges, von D. Trump angestoßenes nationales Schutzschild-System. Es soll die gesamten Vereinigten Staaten vor einer breiten Palette moderner Bedrohungen schützen. Darunter sind ballistische Interkontinentalraketen, Hyperschallwaffen, Marschflugkörper, Drohnen sowie weltraumgestützte Angriffe zu verstehen. Die geschätzten Kosten liegen bei 175 Milliarden US‑Dollar.

Kern ist der Aufbau eines landesweiten Raketenabwehrschilds mit dem Anspruch, Raketenangriffe aus jeder Richtung – einschließlich dem Weltraum – abzuwehren. Dazu müssen Satelliten, Raketen bzw. Raketenabwehrsysteme, Radaranlagen, Steuersysteme und Echtzeit-Datenverarbeitung in ein konzertiertes Verteidigungsnetz eingebracht werden.

Den Startschuss gab Trump per Exekutivverordnung im Januar 2025.

Das Datum für die Fertigstellungliegt soll vor dem Ende von Trumps Amtszeit liegen (Ende 2029).

Das „Golden Dome“-Projekt befindet sich aktuell in der Phase der Planung und Architekturentwicklung. Es gibt jedoch noch keinerlei operativen Prototypbetrieb und keinerlei flächendeckende Stationierung. Einsatzfähigkeit ist also nicht gegeben.

Dass ein erheblicher Teil der dafür erforderlichen Technologien und Waffensysteme erst einmal konzipiert und produziert werden müssen, zeigt, wie ambitioniert dieses Projekt ist. Es ist vor allen Dingen Dünger für unsere jungen US-amerikanischen Space Companies. Auch wenn die großen Summen an die etablierten Unternehmen fließen, dürfte für die agilen Jungunternehmen ein ganz erheblicher Brocken abfallen.

Space Companies

Wir befassen uns hier mit einer Gruppe von acht agilen US-amerikanischen Unternehmen. Dabei handelt es sich um eine nicht wirklich homogene Gruppe. Gemeinsam ist ihr, dass die Raumfahrt im Zentrum der Bemühungen ist, dabei jedoch unterschiedliche Produktgruppen und Geschäftsmodelle abdeckt werden. Rocket Lab ist schwerpunktmäßig, aber nicht ausschließlich, ein Raketen- herstellendes Unternehmen und in unserer Gruppe nur mit Firefly Aerospace (FLY) zu vergleichen. Allerdings befindet sich FLY in einem ganz erheblich früheren Entwicklungsstadium als RKLB. Über seinen etablierteren Infrastruktur Fokus hinaus ist FLY vom Geschäftsmodell her etwas breiter aufgestellt. Firefly Aerospace ist auch das einzige weitere kommerzielle und börsengängige Unternehmen, das mit dem Bau von Raketen befasst ist. SpaceX ist noch privat.

Gleiches gilt auch für Blue Origin, von Jeff Bezos gegründet, jedoch nicht zu Amazon gehörend.

Auch Relativity Space, ABL-Space (mittlerweile Long Wall) und Astra Space sind nicht an der Börse notiert. Wegen finanzieller und technischer Probleme wurde Astra 2024 privatisiert.

Relativity Space ist unter dieser Gruppe privater Unternehmen das wohl interessanteste. Aufgekauft vom früheren Google CEO, Eric Schmidt, will es, wie auch Elon Musk, KI-Datencenter im Orbit installieren. Ob das ein machbares Unterfangen und auch ein finanziell attraktives Geschäftsmodell ist, ist eine interessante Frage, die in einer eingehenderen Analyse gewürdigt werden müsste. Interessierte Anleger sollten den Markt daraufhin beobachten, ob und für wann ein Börsengang von Relativity Space geplant ist.

Alle anderen Space Companies, die wir analysieren werden, befassen sich hingegen nicht mit dem Bau einer eigenen Rakete. Sie liefern allenfalls einzelne Bauteile bzw. Infrastrukturelemente. 

Bild 5 Logo Rocket Lab

Rocket Lab (RKLB)

Die Rocket Lab Corporation wurde 2006 gegründet. Der Hauptsitz befindet sich in Long Beach, Kalifornien. RKLB bietet sowohl Dienstleistungen als auch Raumfahrtsystemlösungen an. Mit der Electron, einem orbitalen Trägerraketensystem für kleinere Nutzlasten, wurde eine der zuverlässigsten Raketen weltweit entwickelt. Im Jahr 2025 absolvierte Rocket Lab insgesamt 21 erfolgreiche Starts und stellte damit einen neuen Jahresrekord auf. Insgesamt verliefen über die Jahre weit über 50 Starts erfolgreich. Dabei erreichten alle Missionen den vorgesehenen Orbit. Momentan stellt die Electron Rakete die wohl preisgünstigste Möglichkeit dar, kleinere Nutzlasten ins All zu befördern. Wenn man so will, ist RKLB der Low-Cost-Carrier beim Raketenbau für kleine Nutzlasten (bis zu 0,35 Tonnen).

Um Rocket Labs Leistung richtig einordnen zu können, haben wir eine Übersicht über die bereits erfolgten Raketenstarts erstellt, in der auch die bisherigen Leistungen von Firefly und SpaceX berücksichtigt werden.

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Mit der Neutron hat Rocket Lab eine größere Trägerrakete in der Endphase der Entwicklung. Sie weist eine Nutzlast von bis zu 13 Tonnen auf und ist sowohl für interplanetare Missionen als auch für den bemannten Raumflug geeignet. Ähnlich wie bei SpaceX, ist die erste Stufe wiederverwendbar. Der Erstflug dieser neuen Rakete ist für Mitte 2026 vorgesehen.

Gegründet wurde RKLB von Sir Peter Joseph Beck im Juni 2006 in Auckland, Neuseeland, mit dem Ziel, kosteneffiziente Startdienste für kleine Satelliten bereitzustellen. Beck ist seit 2006 Firmenchef (CEO) und hält aktuell noch gut 900.000 Aktien des eigenen Unternehmens. Wichtige Vorstandsmitglieder sind über größere Aktienpakete in den Erfolg oder Misserfolg der Firma eingebunden.

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Satelliten, Software, Kommunikation, Werkstoffe

Der aktuelle Schwerpunkt des Geschäftsmodells liegt im Transport von Satelliten in die niedrige Erdumlaufbahn. Ursprünglich hat Rocket Lab ausschließlich fremdgebaute Satelliten ins All befördert. Seit einiger Zeit bietet das Unternehmen seinen Kunden aber auch ein Gesamtpaket an. Es beinhaltet den Bau von Satelliten sowie alle erforderlichen Dienstleistungen vom Start, bis hin zum Betrieb im All.  Das Angebot schließt auch alle Subsysteme sowie die erforderliche Software ein. Somit wird die gesamte Wertschöpfungskette abgedeckt. 

RKLB konkurriert mit Unternehmen wie Airbus Defence & Space, Thales Alenia Space sowie den miteinander kooperierenden Unternehmen Lockheed Martin und Northrop Grumman. SpaceX, baut auch Satelliten (Starlink und Starshield), verwendet diese jedoch primär für den Eigenbedarf. Das Musk Unternehmen ist aktuell also kein direkter Mitbewerber.

Bild 6 Artemis Mission und Sonne
Quelle: NASA Artemis Mission, additional artwork: D. Mark

Wie bereits angedeutet, ist auch die Überwachung und Steuerung von Raumfahrzeugen Bestandteil der vom Unternehmen angebotenen Dienstleistungen. Das Angebot erstreckt sich dabei über die Telemetrie, die Übertragung von Messdaten vom Raumfahrtzeug zur Bodenstation, das Verfolgen der Flugbahn von Satelliten und/oder Raketen, bis hin zur vollständigen Steuerung der Mission. Diese erfolgt mittels selbst hergestellter elektro-optischer Infrarotsensoren, die eine sichere, laserbasierte Kommunikation garantieren.  Sie können in alle existierenden Architekturen integriert werden und für Mond- und interplanetarische Missionen genutzt werden. Gedacht sind sie auch für den Einsatz in Trumps Golden Dome Projekt.

Ein interessanter Geschäftsbereich des Unternehmens, der leicht übersehen werden kann, ist die Produktion spezieller Verbundwerkstoffe. Es handelt sich dabei um Werkstoffe, die aus einer Mischung von Carbon und zusätzlichen Materialien bestehen und spezielle Eigenschaften (z.B. Hitzebeständigkeit, hohe Festig- und Steifigkeit) aufweisen. Diese Qualitäten sind für die Raumfahrt von besonderer Bedeutung. RKLB sieht sich selbst als führender Lieferant an.

In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung, dass Peter Beck, CEO von RKLB, früher bei einem staatlichen, neuseeländischen Unternehmen gearbeitet hat, wo er sich auf fortgeschrittene Verbundwerkstoffe und Materialien für Hochleistungsanwendungen spezialisierte.

Darüber hinaus bietet man Dienstleistungen im Bereich von Raumfahrzeugdesign, Raumfahrzeugkomponenten, Raumfahrzeugfertigung an. Spezielle Trennsysteme koppeln die Nutzlast von der Rakete ab. Dadurch werden Missionskosten gesenkt und die Zeit für die Nutzlastintegration von Tagen auf nur wenige Minuten verkürzt. Schwere oder komplizierte Schnittstellenstrukturen zwischen Satelliten und Trägerrakete werden überflüssig.

Erkennung und Zielverfolgung neuartiger Bedrohungen

Der Begriff EO/IR-System steht für Electro-Optical / Infrared System, also für ein elektro-optisches (sichtbare Licht-Kamera) und Infrarotsensor System. Derartige Systeme können Objekte, Signaturen und Bewegungen sowohl im sichtbaren Spektrum als auch im infraroten Bereich erfassen. Das bereits angesprochene EO/IR-System kann für Rocket Lab zukünftig von sehr großer Bedeutung werden. Es wird zur Erkennung und Zielverfolgung von Objekten eingesetzt, die sich im All bewegen.

Rocket Lab hat durch die Übernahme des US-Herstellers Geost diese Technologien in sein Portfolio integriert. Es verfügt nun über Technologie und Expertise, EO/IR-Sensoren selbst produzieren und in komplette Satellitensysteme integrieren zu können.

Eingesetzt werden diese Sensoren bei mehreren, spezialisierten Raumfahrt- und Verteidigungsanwendungen. Satellitengestützte Infrarotsensoren erkennen z.B. die Wärme von Raketenstarts oder Hyperschallflugkörpern und verfolgen deren Flugbahn in Echtzeit. Das ist von elementarer Bedeutung für ein Frühwarnnetz, wie Trumps Golden Dome Projekt.

Das EO/IR-System von RKLB eignet sich konkret für die folgenden Aufgaben

  1. Raketen-Erkennung und -Verfolgung (Missile Warning & Tracking)
  2. Taktische Aufklärung, Überwachung & Aufklärung (ISR)
  3. Erdbeobachtung – hochauflösende optische und thermale Bilder der Erdoberfläche zur Analyse von Umwelt- oder Sicherheitsereignissen.
  4. Space Domain Awareness (SDA) – also die Überwachung von Objekten im Orbit – einschließlich anderer Satelliten oder Weltraummüll – zur Situationsanalyse und Kollisionsvermeidung.

Für den Investor ist die Frage nach Alleinstellungsmerkmalen bzw. der Konkurrenzsituation von besonderer Bedeutung. Mit dem etablierten Raumfahrt- und Verteidigungskonzern L3Harris Technologies hat RKLB einen ernstzunehmenden Konkurrenten.

Auch mit dem von SpaceX genutzten OPIR-Sensoren (Overhead Persistent Infrared), die zur Erkennung (Tracking) von ballistischen/hypersonischen Bedrohungen in LEO verwendet werden, stehen sie im Wettbewerb.

Dieses System erfasst die Hitze-Signaturen aus dem Weltraum und ist entscheidend für Frühwarnung und Verfolgung von Raketenstart-Events aus der Erdoberfläche. Diese drei Unternehmen dürften den zukünftig wachsenden Markt unter sich aufteilen.

Fazit

Mit der Neutron Rakete dürfte sich RKLB zum ernstzunehmenden Konkurrenten für SpaceX entwickeln. Grundsätzlich schätzen wir es bei Retail Investor sehr, wenn, wie es bei Peter Beck der Fall ist, der CEO gleichzeitig auch Unternehmensgründer ist. Beck wird als auffallend nüchterner Ingenieur charakterisiert, der anders als Elon Musk als zielorientierter Pragmatiker gilt. Unrealistische Zeitpläne und überzogene Leistungsversprechen werden gemieden, technische Machbarkeit und Systemeffizienz bestimmen das Handeln.

Anders als Musk ist Beck somit eher nüchterner Macher als Visionär. Obwohl von Beck selbst ein direkter Vergleich, eine Konkurrenzsituation zu SpaceX nicht thematisiert wird, muss RKLB als SpaceX Konkurrent ernst genommen werden. Beck hat sein Unternehmen perfekt in die Nische platziert, die von SpaceX nicht abgedeckt wird. Eine Rakete wie die Electron zu bauen, mit einer Nutzlast von nur 0,35 t wäre von Musk sicherlich nie auch nur ansatzweise in Betracht gekommen. Die bisherige Geschichte von Rocket Lab zeigt, dass man auch aus dieser demütigen Underdog Position heraus, sehr erfolgreich sein kann.

Retail Investor ist bereits seit einiger Zeit an Rocket Labs beteiligt. Unser Investment basierte dabei zum einen auf der Persönlichkeit von Peter Beck zum anderen auf der Überlegung, dass man sich sehr wahrscheinlich erfolgreich in einer Nische breitmachen könnte, die SpaceX sowie die NASA und die anderen Player nicht wirklich besetzen wollten oder konnten.

Wir sind fast passgenau zu Tiefstkursen eingestiegen. Unser Einstandskurs liegt bei 6,40 USD, also zu Kursen, wie sie im Spätsommer 2024 gegeben waren. Der ideale Investor hätte im Juni 2022 bei 3,50 USD zum absoluten Kurstiefpunkt einsteigen können.

Eine ernstzunehmende Konkurrenz, die die Dominanz von SpaceX aufweicht, dürfte auch im Interesse der NASA bzw. der US-Regierung sein. Wir glauben, dass dieses Unternehmen, noch viel Luft nach oben hat und ihm eine große Zukunft in der Raumfahrt bevorsteht.

Bild 7 Firefly Logo

Firefly AEROSPACE (FLY)

Wenn man das junge Unternehmen Firefly Aerospace überhaupt kennt, dürfte man es mit der erfolgreichen Blue Ghost Mondlandefähre in Verbindung bringen. Als Bestandteil der NASA Artemis Mission 1 gelang ihr am 02.03.2025 die erste erfolgreiche, kommerzielle Mondlandung, bei der die Landefähre uneingeschränkt funktionsfähig blieb.

Über mehr als 14 Tage, dem Äquivalent der Tageslichtphase eines Mondtages, führte sie diverse Messungen und Untersuchungen erfolgreich durch. Gegen Ende dieses Jahres ist die zweite NASA-Mission im Rahmen des Artemis Programms mit Firefly’s Blue Ghost Mondfähre geplant.

Nachfolgend eine Kurzzusammenfassung des Produktportfolios dieses Unternehmens.

Im Wesentlichen verbindet Firefly klassische Startdienstleistungen und ambitionierte Mondmissionen mit verteidigungsnahen Technologien. Das macht das Unternehmen zu einem vielseitigen, technologisch anspruchsvollen Akteur.

Die Alpha und Eclipse Raketen sind kleine und mittelgroßen Nutzlastträger für kommerzielle und staatliche Satellitenstarts.

Der Blue Ghost-Mondlander, hat Fireflys Einstieg in den Lunar-Service Bereich markiert.

Drei unterschiedliche Elytra-Raumtransportsysteme bieten On-Orbit-Dienstleistungen an, also Dienstleistungen innerhalb irdischer oder lunarer Umlaufbahnen sowie auch den Transport zwischen ihnen.

Software, Sensorik und militärische Analytik für Verteidigung undnationale Sicherheit ist das dritte Standbein.

Blue Ghost Mondlandefähre

Ein Lunar Lander (Mondlandefähre) ist ein spezialisiertes Raumfahrzeug für den Ab- und Aufstieg zwischen Mondorbit und Mondoberfläche. Er ist nicht für den interplanetaren Flug gedacht, sondern ausschließlich für Operationen in unmittelbarer Mondnähe.

Mit dem Blue Ghost Lander besitzt Firefly ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz. Intuitive Machines, ein weiteres junges Space Technology Unternehmen, mit dem wir uns im Verlauf dieser Artikelserie näher befassen werden, hatte seinen Lander bereits 2024 auf den Mond gebracht. Allerdings landete er dabei nicht aufrecht. Auch der zweite Versuch war nicht vollständig erfolgreich. Wieder kippte der Lander auf die Seite. Viele bewerten das als unvollständige Missionsausführung.

Zu berücksichtigen ist dabei jedoch, dass beide Mondfähren erstmalig am Südpol des Mondes, auf extrem schwierigem Terrain, aufgesetzt haben. Wenn die ausstehende, zweite Mondlandung für Firefly ähnlich erfolgreich verläuft wie die erste, dürfte sich das Unternehmen einen strategischen Vorteil gegenüber Intuitive Machines erarbeitet haben. Wir glauben, dass die NASA letztendlich auf beide Unternehmen bauen dürfte, um eine gewisse Flexibilität beim Einsatz der Mondfähren zu haben.

Die Alpha und Eclipse Raketen

Weit weniger bekannt dürften Firefly’s eigene Raketen Alpha und Eclipse sein. Bei der Firefly Alpha handelt es sich um eine zweistufige, nicht wiederverwendbare Small-Lift-Orbital-Rakete. Sie wurde entwickelt, um kleinere Nutzlasten bis knapp über 1000 kg in niedrige Erdumlaufbahnen (LEO) zu bringen.

Die Firefly Eclipse entsteht derzeit als Medium-Lift-Launch-Vehicle in Zusammenarbeit mit dem etablierten großen Rüstungskonzern Northrop Grumman. Mit einer Kapazität von ungefähr 16 Tonnen und teils wiederverwendbarer erster Stufe, soll sie schwerere kommerzielle, wissenschaftliche und sicherheitsrelevante Nutzlasten in den LEO befördern. Der erste Start ist für 2026 geplant. Die nachfolgende Illustration vergleicht die Größe verschiedener Raketen unterschiedlicher Hersteller.

Terran R 23,5 t – Relativity Space,

Falcon 9 15,8 t – SpaceX,

Eclipse   16 t    – Firefly Aerospace

Neutron 13 t    – Rocker Lab

Bild 8 Schaubild Raketengrößen
Quelle: Relativity Space – Raketengrößen im Vergleich

Auch wenn die Alpha Rakete zwischenzeitlich weiter optimiert wird, um noch größere Nutzlasten ins All transportieren zu können, lässt sich die bisherige Performance von Firefly als Raketenentwickler als eine Mischung aus Erfolgen und Misserfolgen beschreiben. Was die Gesamtzahl der bisherigen Raketenstarts anbetrifft, befindet sich Firefly sowohl im Vergleich mit Rocket Lab als vor allem aber mit SpaceX im Hintertreffen. Anders als Rocket Lab, möchte man bei FLY gleich in die Nähe der ersten Reihe springen, die durch SpaceX definiert ist.

Elytra Infrastruktur Dienstleistungen

Elytra ist die Bezeichnung für das orbitale Nutzlast-Hosting-System von Firefly.

Ein solches System übernimmt alle wesentlichen Aufgaben für einen Auftraggeber, der eine Nutzlast ins All oder zum Mond transportieren möchte. Das umfasst Start & Transport, Stromversorgung sowie die Kommunikation zur Erde. Zudem überwacht es Navigation und Flugbahn, sichert aber auch den Langzeitbetrieb im Orbit. Das Elytra System kann auch die Funktion als Langzeit- Orbitalplattform übernehmen. Insgesamt drei unterschiedliche kleinere Raumfahrzeuge, sogenannte orbitale Service-Vehikeln sind für diese unterschiedlichen Dienstleistungen vorgesehen.

Elytra Dark – Der für uns interessanteste Baustein in diesem System ist Elytra Dark, ein orbitales Service-Vehikel, welches die eigentliche Blue Ghost-Landeeinheit zum Mond bringt, aber auch das von Firefly entwickelte Ocula System in die orbitale Stellung bringt bzw. dauerhaft unterhalten wird. Die für uns sehr interessante Dienstleistung, die sich hinter dem Namen Ocula versteckt, stützt sich auf hochauflösende Teleskope, die sich an Bord von Elytra Dark befinden.

Deren Aufgabe besteht darin, Aufnahmen im ultravioletten und sichtbaren Spektralbereich zu liefern. Dadurch können z.B. Mineralvorkommen auf der Mondoberfläche identifiziert werden. Das System kann aber auch zur präziseren Kartierung zukünftiger Landeplätze verwendet werden. Zudem dient es auch der cislunaren Lageerkennung, deckt also die Aufklärung des Bereichs zwischen Mond und Erde ab.

Einfach ausgedrückt ist Ocula eine Art Google Maps Kartographie-Maschine, die allerdings auch analytisch unter und weit über die Mondoberfläche hinaus schauen kann. Wenn man versteht, welche Bedeutung dies für die Kommerzialisierung des Monds haben kann, dürfte unsere Begeisterung für Firefly verständlich werden.

Der Mond wird in den nächsten Jahren viel stärker genutzt werden als früher. Menschen werden auf dem Mond landen, man wird langfristige Mondstationen aufbauen und regelmäßige Missionen durchführen. Dafür benötigt man sehr genaue, aber vor allem aktuelle Karten, die Auskunft darüber geben, wo sich sicheres Gelände befindet oder wo Schatten, Eis oder andere Ressourcen existieren.

Viele heute genutzte Mondkarten stammen von Missionen, die 10–20 Jahre alt sind. Sie sind Ergebnis einzelner Orbiter-Flüge, aber keines kontinuierlichen Dauerbetriebs. Firefly hat vor, einen kommerziellen Ocula Dauerbetrieb zu etablieren. Kunden sollen gezielt, ähnlich wie bei Erdbeobachtungssatelliten, Bilder, Karten und Analysen kaufen. Dass dies ein Geschäft sein kann, beweist ein Unternehmen wie z.B. Planet Labs. Es betreibt ein ähnliches Geschäftsmodell, ist jedoch ausschließlich auf die Analyse und Beobachtung der Erde aus dem Weltraum fokussiert.

Ganz sicher muss man dieses, durch Ocula geschaffene Geschäft, perspektivisch betrachten, also einen sehr langen Anlagehorizont einnehmen. Für Retail Investor ist allein dieses Ocula-Bildgebungssystem ein ausreichendes Motiv, um in Firefly investiert zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass der Vorteil, erster auf dem Markt zu sein und damit konkurrenzlos zu sein, möglichst lukrativ und dauerhaft ist.

Bild 9 NASA Italien
Quelle: NASA - The city lights of Italy sparkle from Naples to Genoa Date Created: 2025-12-26 - Additional Artwork: D. Mark

Zurzeit sind andere kommerzielle Unternehmen mit einem vergleichbaren Mond-UV/VIS-Imaging-Service, wie die Ocula-Dienstleistung auch genannt wird, bislang weder etabliert noch öffentlich angekündigt. Musks Starlink Unternehmen ist eine Internet-Kommunikationsplattform für globale Nutzer, gesteuert über Satelliten. Sie bewirtschaftet die Erde und nicht den Mond.

Der Erstbetrieb von Ocula ist für die Blue Ghost Mission 2 der NASA, die zum Ende dieses Jahres starten soll, fest eingeplant. Der Elytra Dark Orbiter, der die Blue Ghost-Landeeinheit dann zur zweiten erfolgreichen Mondlandung befördern soll, transportiert und betreibt dann auch das Ocula System.

Elytra Infrastruktur

Neben Elytra Dark existieren noch die Elytra Dawn und Dusk Vehikel.

Elytra Dawn – ist für den Einsatz in niedriger Erdumlaufbahn (LEO) konzipiert worden. Es trägt kleinere Nutzlasten, bietet Hosting und Transport an sowie die schnelle On-Orbit-Bereitstellung z. B. von Satelliten oder Sensoren.

Elytra Dusk – bietet mehr Leistung, Autonomie und Manövrierfähigkeit an als das Pendant Elytra Dawn. Zum Aufgabengebiet gehört die Relokation von Objekten im Orbit, also die gezielte Veränderung der Position eines Raumfahrzeugs im Weltraum durch aktive Manöver. Die Notwendigkeit eines derartigen Dienstes ergibt sich daraus, dass ein Satellit oder Raumfahrzeug nicht immer auf der ursprünglichen Position bleiben muss, sondern bewusst an einen anderen Ort oder in eine andere Bahn verlegt werden soll, um dort neue Aufgabe zu erfüllen.

Eine weitere, wesentliche Aufgabe von Elytra Dusk ist die Bereitstellung von Daten und Diensten zwischen LEO und geosynchroner Umlaufbahn (GEO). Letztendlich handelt es sich dabei um nichts anderes als die Überwachung des Weltalls. Dies wird auch mit dem Fachbegriff Space Domain Awareness (SDA) umschrieben. Der Weltraum ist operativer Raum geworden, der kontinuierlich überwacht werden muss, um zu verstehen und vorherzusagen, was und wo sich etwas befindet und was dort geschieht. Space Domain Awareness umfasst zivile, kommerzielle, wissenschaftliche und militärische Aktivitäten. Sie deckt damit ein extrem breites Spektrum ab. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass sich dieser Bereich ebenfalls zu einem lukrativen Geschäftsfeld entwickeln kann.

Bewertung

Anders als bei Rocket Lab handelt es sich bei Firefly Aerospace um kein eigentümergeführtes Unternehmen. Bei Retail Investor sehen wir es extrem gern, wenn Eigentümer zentrale Positionen im eigenen Unternehmen besetzen. Im großen Normalfall sind derartige Unternehmen erfolgreicher als nicht eigentümergeführte.

Gründer des Unternehmens war Dr. Tom Markusic zusammen mit dem ukrainische Investor Max Polyakov und dessen Fonds Noosphere. Bis 2022 war Markusic, der einen hervorragenden beruflichen Werdegang aufweist (NASA, US Air Force, SpaceX, Blue Origin und Virgin Galactic) auch CEO. Ihm wurde tiefes Fachwissen in Raketentriebwerken und Systementwicklung nachgesagt sowie die Fähigkeit, komplexe Entwicklungsprogramme zu leiten und Testinfrastruktur aufzubauen. Aktuell ist Dr. Tom Markusic nicht mehr im operativen Management von Firefly Aerospace tätig, sondern Co-Founder und Board Member und soll noch 5,1% der außenstehenden Aktien besitzen. Das ist allerdings nicht ganz eindeutig zu klären.

Der frühe Werdegang des Unternehmens war verdächtig spektakulär. Nach Gründung im Jahre 2014 durchlebte Firefly so ziemlich alle möglichen negativen Entwicklungen. Rechtsstreitigkeiten wegen Industriespionage, Konkurs, Neugründung sowie der durch die US-Regierung erzwungene Exodus des ukrainischen Hauptfinanciers Max Polyakov im Jahre 2022. Im Jahr 2025 erfolgte dann der Börsengang.

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Seit dem 1. Oktober 2024 ist Jason Kim CEO von Firefly Aerospace. Er besitzt keine größeren Firmenanteile (siehe Tabelle). Aber auch seine Vita kann sich sehen lassen. Er bringt über 25 Jahre Erfahrung in Luft‑ und Raumfahrt, Verteidigung und Satellitensystemen mit. Zuvor war er CEO von Millennium Space Systems sowie Führungskraft bei Raytheon Intelligence & Space, Northrop Grumman und in der U.S. Air Force.

Zweifel an der Seriosität des Unternehmens sollten mittlerweile nicht mehr existieren. Die technische Zusammenarbeit mit den etablierten Unternehmen Northrop Grumman und Lockheed Martin, aber auch mit der NASA dürfte mögliche Bedenken an der Seriösität entkräften.

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Fazit Rocket Lab

Was die Bewertung – die Erwartungshaltung der Börse – anbetrifft, spricht der Vergleich, der von uns ausgewählten Kennzahlen, eine eindeutige Sprache. Mit einer Marktkapitalisierung (MCAP) von knapp über 36 Mrd. USD wird Rocket Lab wie ein bereits gereiftes Unternehmen bewertet. Eine Lockheed Martin, die mehr als das 87-fache des Umsatzes von RKLB erwirtschaftet (Basis: 2026), verfügt „nur“ über eine um den Faktor 4,2 höhere Marktkapitalisierung. Einem KUV von 1,91 bei LMT stehen KUVs von 40,02 bei RKLB bzw. 6,88 bei FLY gegenüber. Das sind Zahlen, zu denen wir aktuell keine RKLB-Aktie kaufen würden. Das klingt so, als ob wir nicht hinter diesem Unternehmen stehen würden. Momentan empfinden wir die Bewertung jedoch als abenteuerlich hoch. Und dass, obwohl das Unternehmen mittlerweile ganz erheblich unter seinem Höchstkurs von knapp unter 100 USD notiert.

Wir selbst sind RKLB-Aktionär, haben unsere Position allerdings zu Kursen weit unterhalb der 10 USD-Marke aufgebaut.

Rocket Lab überzeugt durch Stabilität und Diversifikation. Die Stärke liegt in seiner umfangreich diversifizierten Plattform. Eine Vielzahl erfolgreich durchgeführter Starts, demonstriert eine hohe operative Reife.

Mit der Neutron-Rakete erschließt sich das Unternehmen einen größeren Markt für mittlere Nutzlasten. Gekoppelt mit der hohen Zuverlässigkeit dürfte das Marktchancen und Umsatz erheblich vergrößern.

Auch die breite Kundenbasis, die sowohl kommerzieller als auch staatlicher Natur ist, ist ein Pluspunkt.

Insgesamt befindet sich Rocket Lab auf einem stabilen Wachstumsweg. Wegen der extrem hohen Bewertung würden wir lediglich bei einem starken Kurseinbruch hinzukaufen wollen. Dies könnte z.B. nach einer erfolglosen Mission der Fall werden, die sich irgendwann einstellen dürfte. Wir gehen davon aus, dass wir bei Rocket Lab ein großes, stabiles Space Technologie Unternehmen beobachten können, welches sich im Entstehungsprozess befindet.

Fazit Firefly Aerospace

Firefly ist deutlich kleiner als Rocket Lab. Es besitzt ein stärker spezialisiertes Portfolio, das zwar durch Mondmissionen und Verteidigungs-Technologien zusätzliche Erlösquellen erschließt, aber auch höhere technische und marktwirtschaftliche Risiken birgt. Die geringere Marktkapitalisierung spiegelt ein höheres Bewertungsrisiko wider. Ein erfolgreicher Durchbruch bei Technologien wie der Eclipse Rakete oder weiteren Blue Ghost Missionen kann ein ganz erhebliches Wachstumspotenzial nach sich ziehen. Wie bereits ausgeführt, empfinden wir auch das Ocula Projekt, als perspektivisch richtungsweisend.

Rocket Lab ist mit einer breit fundierten, etablierten Basis deutlich höher bewertet, während Firefly als risikoreicher, aber potenziell stark wachstumsorientierter Player gesehen wird.

Am IPO-Tag von FLY lag die Bewertung zeitweise sogar deutlich höher. Die Kurse schwankten in einem Bereich von 73,80 bis 60,35 USD. Diese ganz erhebliche IPO- Überbewertung hat der Markt mittlerweile korrigiert. Kurse um, bzw. knapp unterhalb der 20 USD-Marke sehen wir als akzeptable Kaufkurse an, zu denen auch wir unsere bisher kleine Position ausbauen werden.

Politische Einflüsse

Uns ist durchaus bewusst, dass es an der Machbarkeit von Trumps Golden Dome Projekt begründete Zweifel gibt, Zweifel die wir in gewisser Hinsicht auch teilen. Selbst eine abgespeckte Variante dürfte Unternehmen wie Firefly ausreichende finanzielle Mittel zufließen lassen, um zu wachsen. Wir glauben auch, dass in zunehmendem Maße kommerzielle Missionen die Umsätze der Space Technologie Unternehmen tragen werden

Strategische Einordung

Bild 10 KMI Strategie
Schaubild: KMI-Strategie - Quelle: Retail Investor

Nach unserer Kompetenzorientierten Modularen Investmentstrategie (KMI) bewegen wir uns bei einem Investment in junge Space Technology Unternehmen im Bereich der höchsten Risikostufe (Small Caps/Anwärter auf Marktführerschaft). Hohe Fachkompetenz und Erfahrung sind wesentliche Voraussetzungen für entsprechende Investitionen. Unsere Leser wissen, dass derartige Aktienkäufe auf eine breite Basis sicherer, Dividenden erwirtschaftender Aktien gegründet werden sollten. In unseren Depots repräsentieren sie maximal 5 – 10% des Depotwerts. Dass sie sich irgendwann einmal einen erheblich größeren Prozentwert erarbeiten könnten, ist erwünscht. Doch selbst einen Komplettverlust würden wir mit vergleichbar geringen Schmerzen überstehen.    

Disclaimer:

Jeder Artikel gibt die persönliche Meinung des jeweiligen Verfassers wieder. Diese ist das Ergebnis eigener Recherchen, die nach bestem Wissen und Gewissen und mit großer Sorgfalt durchgeführt worden sind. Es handelt sich dabei nicht um eine Wertpapierberatung bzw. Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren. Vorsorglich wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Erwerb von Wertpapieren mit gewissen Risiken verbunden ist, mit Risiken, die im schlimmsten Fall zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können.

Es wird ferner darauf verwiesen, dass Wertpapierkäufe auf sorgfältige eigene Analysen und Recherchen gegründet sein sollten. Weder Retail Investor noch der/die Verfasser eines Artikels haften für etwaig entstandene Verluste.  

Retail Investor – Klaus-Uwe Becker

Hinweis:

Retail Investor ist im Besitz von Aktien der folgenden Unternehmen: Rocket Lab, Firefly Aerospace, BlackSky Technology, Intuitive Machines, Planet Labs, Redwire, Voyager Technologies und Lockheed Martin

 

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Klaus-Uwe Becker