Der einzig sinnvolle Ausweg ineinem dysfunktionalen System.
von Klaus-Uwe Becker, 06.04.2026
Wir alle sind gefangen in, aber auch abhängig von einem weitgehend dysfunktionalen politischen System. Einem System, das sich aus unterschiedlichen Gründen weigert, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nicht jeder verfügt über den Spielraum, sich beruflich lukrativ weiter zu entwickeln oder den Umsatz des eigenen Betriebs nach eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen zu skalieren. Selbst wenn wir es besser wissen als andere, müssen wir fast immer weiterhin unter den Bedingungen und Abhängigkeiten leben, die diese Anderen vorgegeben haben. Es existiert jedoch ein Ausweg, über den wir freier und selbstbestimmter unsere eigenen Ziele verfolgen können. Ehe wir uns damit beschäftigen, versuchen wir zu ergründen, welche entscheidende Rolle der richtige Umgang mit Geld in diesem Szenario spielt.
Unser Verhältnis zu Geld
Die Kunst, über Geld nachzudenken, ist Titel eines Buches der Börsenlegende A. Kostolany. In diesem interessanten Buch geht es schwerpunktmäßig um Anlagestrategien. Uns geht es eher darum, wie die Einstellung zum Geld erlernt wird und welche Konsequenzen dieser Lernprozess nach sich zieht. Das richtige Verhältnis zu Geld erwächst aus einem Lernprozess, der bereits in jungen Jahren eingeleitet und gefestigt werden muss. Geschieht dies nicht, hat das überwiegend fatale, nachhaltige Konsequenzen für ein ganzes Menschenleben.
Neulich an der Supermarktkasse
Hinter 10 bis 12 Kunden unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Provenienz wartend, ging mir Folgendes durch den Kopf.
Hier wechselt gerade Geld unterschiedlicher Herkunft den Besitzer; ein regelmäßig stattfindender Prozess, über den wir als solchen gar nicht mehr nachdenken, den wir als selbstverständlich, als normal empfinden. Natürlich wundern wir uns über hohe Preise und die daraus resultierende Rechnung. Den Zahlvorgang, sowie den Prozess Geld für Ware, haben aber – mit Ausnahme der Diebe – alle Kunden verinnerlicht.
Dass hier Geld von einer in die andere Tasche wechselt, kann man euphemistisch als Kreislauf des Geldes beschreiben. An und für sich ist das nichts dramatisch Schlimmes. Schlimm ist allerdings, dass die meisten Menschen die Verbindung, dass Geld dazu da ist, ausgegeben zu werden, als einzigen Sinn und Zweck von Geld tief in das eigene Bewusstsein, als Automatismus eingegraben haben.
Dass dieses Geld jedoch irgendwann bei jemandem landet, der es nicht mehr für den eigenen Konsum weiterreicht, wird von vielen Menschen ausgeblendet oder gar nicht erst als Möglichkeit in Betracht gezogen. Irgendwo in dieser Kette sitzt jedoch ganz sicher jemand, der dieses Geld anlegt oder investiert, um mehr daraus zu machen. Jemand, der Geld für sich arbeiten lässt. Dieser Gedanke ist von den meisten Menschen weit weg oder gar nicht existent, weil wir über ein ganzes Leben hinweg beobachtet und gelernt haben, dass Geld das Mittel ist, um die Dinge zu erwerben, die wir dringend brauchen oder uns einfach nur wünschen.
Wir werden so sozialisiert, dass wir glauben, dass Geld ausgegeben werden muss und zwar von Beginn unseres Lebens an. Das Kind, welches mit der Mutter einkaufen geht, lernt schnell, dass Geld die Eintrittskarte zur Befriedung der aktuellen Bedürfnisse und Wünsche ist.
Diese Konditionierung wird dann im späteren Leben kaum noch hinterfragt. Dass Geld, wenn es denn thesauriert, also angespart wird und nicht für den eigenen Konsum verbraucht wird, auch arbeiten kann, bleibt fremd. Ist Sparen und Anlegen jedoch bereits in jungen Jahren ein regelmäßiges Gesprächsthema in der Familie, bricht dies die ursprüngliche Konditionierung, die „Geld – Kauf – Funktion“ auf und erweitert sie um diese wesentliche Facette.
Unsere Verantwortung
Als Gesellschaft handeln wir hochgradig verantwortungslos gegenüber unseren Kindern, wenn wir die Funktion von Geld auf die Beschaffungsperspektive reduzieren. Die Formel – Geld gleich privater Konsum – als gesetztes, allgemein akzeptiertes Verhaltensmuster bei jungen Menschen zu verankern, muss wenigstens als grob fahrlässig bezeichnet werden, beschneiden wir dadurch doch die Lebensperspektive unserer Kinder um ein wesentliches Mittel zum sozialen Aufstieg.
Es ist vollkommen unverständlich, warum sich eine Gesellschaft ausschließlich auf Bildung als Mittel des Aufstiegs konzentriert und dabei meist andere legale und vielversprechende Möglichkeit ausblendet.
Ein weiterer, in diesem Kontext interessanter Gesichtspunkt, wird dabei ebenfalls meist nicht erkannt. Absurderweise wird die Ausbildung unserer Kinder oft nicht als Investment betrachtet, welches sich z.B. bei Akademikern erst nach ca. 20 Jahren materialisieren lässt. Diese Sichtweise führt u.a. auch dazu, dass Wertpapierinvestitionen über einen vergleichbar langen Horizont als irrational abgestempelt werden. Ein direkter, konkreter Nutzen ist angeblich nicht erfahrbar. Da habe ich ja nichts von, ist die triviale Begründung, die Langzeitinvestments entgegengehalten wird.
Familie und Gesellschaft müssen hier in die Verantwortung genommen werden, einen geweiteten Fokus bezüglich der Verwendung von Geld konsequent zu vermitteln und sich gleichzeitig kritisch mit denjenigen auseinandersetzen, die Aktien und Geldanlage bewusst negativ konnotieren. Schlimm ist dabei, dass diejenigen auch noch für sich in Anspruch nehmen, die Interessen der Besitz- und Mittellosen zu vertreten. Anstatt Hilfe zur Selbsthilfe zu propagieren oder z.B. für eine Streichung der Kapitalertragssteuer für Geringverdiener zu kämpfen, perpetuieren sie das Elend durch Schaffen einer dauerhaften Abhängigkeit von Sozialleistungen. Ein chinesisches Sprichwort sagt dazu:
Unser Abstieg
Die schon erwähnte Erkenntnis, dass unser zukünftiges Wohlergehen von einer politisch zunehmend handlungsunfähigen und dysfunktionalen Politikerkaste abhängt, sollte ein mehr als ausreichendes, weiteres Motiv sein, Teile des zur Verfügung stehenden Geldes für sich arbeiten zu lassen, die Verantwortung zur finanziellen Vorsorge zu übernehmen und Eigeninitiative zu ergreifen.
Politik wird zunehmend von reaktivem Handeln bestimmt. Proaktives Agieren scheint vollkommen aus der Zeit gefallen zu sein. Betrachtet man die Medien über einen längeren Zeitraum, wird deutlich, wie oft der Begriff des Aufholens strapaziert wird. Dieses Aufholen ist durch eine thematisch epische Breite gekennzeichnet. Von der Wirtschaft, über fehlende Erfolge im Sport, eine marode Infrastruktur, überforderte Schulen und Kindergärten, bis hin zum Demokratieverständnis besteht Nachholbedarf.
Analysiert man etwas schärfer, wird deutlich, dass derjenige der aufholen muss, aufgehört hat, vorne mitzuspielen, den Anschluss zur Spitze verloren hat.
Intelligenter wäre es, spitze zu sein, Vorbild für andere zu sein, anstatt ständig hinterherlaufen zu müssen.
Dysfunktionalität überwinden
Um dies zu erreichen, benötigt man Eigenschaften wie Fantasie, Visionen, Tatkraft und Fachkompetenz. Allesamt Qualitäten, die weder in Politik noch in der Wirtschaft aktuell gefragt sind. Innovation und Aufbruch wird durch die üblichen Bedenkenträger wirksam konterkariert und ausgebremst. Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, hat der ehemalige Kanzler, Helmut Schmidt, möglicherweise lakonisch resignativ einst behauptet. Auch in Schulen und Kommunalverwaltungen wird seit Dekaden überwiegend visions- und inspirationslos gearbeitet. Eigene Erfahrung und Einblicke bestätigen dieses traurige Bild.
Natürlich wird und kann der Einzelne an der Gesamtsituation so gut wie nichts ändern. Er ist fester Bestandteil dieses Systems und natürlich auch Opfer, das die Konsequenzen des Fehlverhaltens zu tragen hat. Man muss den Eindruck gewinnen, dass erst, wenn die Karre vollständig vor die Wand gefahren worden ist, man sich fragen wird, wie es denn so weit hat kommen können.
Nutze deinen Vorteil
Bei der Geldanlage besteht der entscheidende Vorteil des Einzelnen darin, dass er die alleinige Macht über das eigene Schicksal hat und die Herrschaft über die unbegrenzten Möglichkeiten der Verbesserung der eigenen Lage besitzt.
Kurz und gut, er kann es besser machen als die deutsche Politik und Wirtschaft. Er kann dies sogar ostentativ beweisen, indem er seine individuellen Entscheidungen mit Erfolg krönt. Zumindest partiell entzieht er sich dadurch der negativen Strömung, die aus dem weitgehend dysfunktionalen System resultiert.
Die Anlage in Wertpapieren bietet dafür das ideale Spielfeld. Wenn man es richtig angeht, ist es ein globales Spielfeld, das einem zur Verfügung steht. Allein dadurch entkoppelt man sich von den zurückgebliebenen europäischen Volkswirtschaften und begibt sich auf ein langfristig gesehen ziemlich faires Spielfeld.
Kurzfristig betrachtet, bewerten die Börsen die Beliebtheit, die Popularität von Unternehmen und deren Aktien. Auf lange Sicht sind sie jedoch ein präziser Messmechanismus, der extrem gerecht wertet. So hat es der legendäre Investor, Warren Buffett, einmal sehr treffend formuliert.
Durch den Kauf einer Aktie wird eigenes Geld in ein Unternehmen der Wahl investiert. Man wird Mitunternehmer und erhält einen Anteil an den Produktionsmitteln, wächst aber auch im Einklang mit dessen Erfolg oder Misserfolg.
Wenn man so will, ist man dann an den ideologisch oft negativ konnotierten, ausbeuterischen Produktionsmitteln der Kapitalisten beteiligt. Das investierte Geld arbeitet nunmehr und vermehrt sich. Bei soliden Unternehmen erhält man ein reales Wachstum, weit oberhalb der Inflationsgrenze. Geld wurde zwar auch in diesem Fall vom Investor weggegeben, allerdings nicht für den eigenen Konsum, sondern für eine Unternehmensbeteiligung.
Die eigene Fähigkeit, Entwicklungen in Technologie, Wissenschaft und Wirtschaft erfolgreich vorherzusehen und davon zu profitieren, ist Beweis für Kompetenz. Die Synthese aus Kompetenz, konsequentem Agieren und Ausdauer wird zur Grundlage eines nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolgs. Eines Erfolgs, der langfristigen sozialen Aufstieg und Absicherung verspricht.
Die Beteiligung am Erfolg der erfolgreichsten Unternehmen in Form von Aktien ist ein gesellschaftlich verkanntes Privileg. Es ist eine Möglichkeit der Teilhabe, der Partizipation am Erfolg anderer. Man macht sich fremde Expertise, Logistik, Produktionsmittel, Arbeitskraft zunutze und reitet quasi Huckepack mit ihnen zum Erfolg. Warum das in Deutschland so selten genutzt wird, bleibt ein Rätsel.
Vor diesem Hintergrund ist übrigens auch die Frage interessant, warum Unternehmen, deren Gewinnspannen traditionell gering sind, die teilweise über längere Zeiträume mit der bilanztechnischen schwarzen Null zu kämpfen haben, sich nicht an Unternehmen beteiligen, die mit diesem Problem erheblich erfolgreicher umgehen. Erfolgreiche Beteiligungsgesellschaften, wie z.B. Berkshire Hathaway gehen diesen Weg seit Dekaden äußerst erfolgreich, finden aber kaum Nachahmer in der Industrie. Ist man in einen margenengen, konkurrenzstarken Geschäftssegment gefangen, aus dem es kaum sinnvolles, sprich lukratives Entkommen gibt, wäre dies ein sinnvoller Weg in Richtung Profitabilitätssteigerung.
Die Idee, das eigene Geschäft um eine Beteiligungsgesellschaft zu erweitern, ist etwas, das sich für die meisten Unternehmer außerhalb des eigenen Vorstellungshorizonts befindet. Eine Handvoll kompetenter Mitarbeiter sowie etwas Kapital ist alles, was dazu benötigt würde. Vielleicht gilt das Gründen einer Beteiligungsgesellschaft für die meisten Wirtschaftsbosse schlicht und ergreifend als Eingeständnis des Versagens des eigenen Geschäftsmodells.
Private Investoren müssen sich mit derartigen Problemen nicht befassen, Sie sind vollständig Herr über die eigenen Entscheidungen. Erleichtert wird wird der Erwerb von Aktien durch die Neobroker. Hohe Gebühren für Aktienkäufe und -verkäufe gehören der Vergangenheit an. Bei den hippen Neobrokern wie z.B. Tradegate, Scalable Capital, Smartbroker, Revolut etc. können auch Bruchteile teurer Aktien kostengünstig erworben werden. Selbst Investitionen von Kleinstbeträgen, unterhalb der 50 Euro Grenze, werden so zu akzeptablen Gebühren von meist einem Euro, möglich.
Auf lange Sicht gesehen ist die Börse, wie bereits erwähnt, effektiv und gerecht. Das darf als absolut sicher angesehen werden. Die Börse belohnt Kompetenz, konsequentes Handeln und Ausdauer. Misserfolg ist ausschließlich auf eigene Fehler zurückzuführen. Politik und Gesellschaft kann höchstens dafür verantwortlich gemacht werden, dass sie das Verständnis und das für erfolgreiches Investieren erforderliche Finanzwissen nicht frühzeitig vermittelt hat.
Bewertung von Erfolg
Letztendlich ist die Börse also nichts anderes als ein Barometer über Erfolg oder Misserfolg. Es wäre seltsam, aber auch fatal, wenn wir aufhören würden oder uns verbieten lassen würden, diese Erfolge zu feiern. Es wäre einer der wenigen Bereiche, in dem Erfolg nicht wertgeschätzt wird.
In Sport, Musik, Entertainment bewundern und verehren wir unsere Helden und Erfolgreichen. In der Wirtschaft stehen wir dem Erfolg skeptisch gegenüber und betrachten die Unternehmenskunden als Opfer der Erfolgreichen. Der aus sportlichem Erfolg resultierende materielle Erfolg wird hingegen kaum kritisch hinterfragt.
Dass die eigene Leistung Selbstvertrauen und -bewusstsein stärkt, muss eigentlich nicht sonderlich betont werden. Eigener wirtschaftlicher Erfolg erhöht aber auch den Stellenwert geäußerter Systemkritik.
Es bleibt nur zu hoffen, dass möglichst viele Menschen es besser machen wollen und werden als unsere Regierung. Das wäre auch zum Vorteil der gesamten Gesellschaft. Während die Bürger anderer Länder über ein hohes Aktienvermögen verfügen, dass sich im Gleichschritt mit dem allgemeinen Wirtschaftswachstum vergrößert, schaffen die Bundesbürger es kaum, ihr Geldvermögen über die Inflationsrate hinaus zu erhöhen.
Ein Zuviel an Festgeld trifft auf ein Zuwenig an Aktienbesitz, Risikoaversion paart sich erfolgreich mit German Angst. Auf Dauer führt dies nicht nur zum individuellen, sondern auch zum gesellschaftlichen Abstieg. Sollte aber politisches Versagen auf mehrheitlich individuelles Versagen treffen, wäre der daraus resultierende Abstieg sogar gerechtfertigt. Vor dem Hintergrund der ersten Verteilungskämpfe, möchte man sich nicht ausmalen, welche politischen Konsequenzen dies nach sich zieht.
Disclaimer:
Jeder Artikel gibt die persönliche Meinung des jeweiligen Verfassers wieder. Diese ist das Ergebnis eigener Recherchen, die nach bestem Wissen und Gewissen und mit großer Sorgfalt durchgeführt worden sind. Es handelt sich dabei nicht um eine Wertpapierberatung bzw. Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren. Vorsorglich wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Erwerb von Wertpapieren mit gewissen Risiken verbunden ist, mit Risiken, die im schlimmsten Fall zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können.
Es wird ferner darauf verwiesen, dass Wertpapierkäufe auf sorgfältige eigene Analysen und Recherchen gegründet sein sollten. Weder Retail Investor noch der/die Verfasser eines Artikels haften für etwaig entstandene Verluste.
Retail Investor – Klaus-Uwe Becker
Klaus-Uwe Becker